Wenn etwas sehr begehrt ist, es jeder haben möchte und niemand hergeben, dann sagt man in Österreich “es ist ein G’riss darum”. Es scheint als wären Daten dieses “Möchte-Haben” des ZukunftsWeb. In letzter Zeit gehen die großen Datenbroker (Google, Facebook, …) immer weiter an die Akzeptanzgrenzen ihrer User heran, um an personenbezogene Daten oder Daten die die Privatheit betreffen zu kommen. Es geht dabei um den Datenrohstoff für Marketing, PR und Produktoptimierung.
Doch es gibnt auch noch eine andere Welt der Daten, denn inzwischen ist das Interesse an Daten kein einseitiges mehr. Auch Bürger/innen und Konsument/innen artikulieren ihr Anrecht auf Datenressourcen. Angestossen durch die Initiativen in den Vereinigten Staaten erkennen Bürger/innen ihr Recht auf die Daten, die sie selbst durch ihre Steuerleistung quasi bezahlt haben: Mikrozensus, Statistiken, Verkehrsdaten, parlamentarische Protokolle und Förderungsstatistiken, Budgetzahlen und Landvermessung. Daten, die oft ohnehin durch Regierungsstellen offengelegt werden müssten, aber bislang in PDFs, Jahrbüchern und Tabellenkalkulationen verborgen waren. Das Grundrecht auf Information für den/die Bürger/in sicherzustellen, bedeutet im Informationszeitalter mehr als die ungeordnete Zugänglichmachung der Daten – es bedeutet die einheitliche Lesbarkeit dieser Daten für jedermann sicherzustellen. Die Regierungen von Barak Obama und Gordon Brown haben das erkannt und dementsprechende Initiativen lanciert.
Ganz im Unterschied zur eingangs beschriebenen Begehrlichkeit der Datensammler des Privaten, geht es den Open-Government-Initiativen darum öffentliche Daten als neue Ressource zugänglich zu machen – und dies zum vielfältigen Vorteil:
Open Government Data ist demnach der Treibstoff für die nächste Generation in Internetdemokratie und Internetökonomie und im Stande in beiden Feldern Wesentliches voranzubringen: Eine/n sich einbezogen und informiert fühlende/n Bürger/in und sowie einen Innovationsschub für eine klein- und mittelständische Internetwirtschaft abseits der wenigen “Großen des Sektors”.
Auf Seiten der Anwender/innen und Entwickler/innen ist der Prozess bereits unterwegs: Auch in Österreich konstituiert sich eine breit aufgestellte Initiative – beginnend mit einem MeetUp am 8. April. Die Politik zeigt Interesse. Und dazu muß man nicht Obama oder Brown heißen. Die Daten einer Gemeinde oder eines Magistrats reichen oft aus um großartige Beispielprojekte zu befüttern.
Weiterschauen
Open Government Data – Anwendungen
- iElect UK – Wahlkreisinformationen am iPhone
- Gapminder – Mikrozensus Auswertungen
- myEnviroment – Umweltdaten
- Apps for democracy – Wettbewerb für Open Gov Data
- Where Does My Money Go – UK Haushaltsdaten aufbereitet

