Es lag in der Luft…
von Marion Fugléwicz-Bren
“Es lag in der Luft. Immer mehr Gespräche in den vergangenen Wochen mündeten in grundsätzlichen Fragen. Immer mehr E-Mails wiesen auf grundsätzliche Debatten hin. Das Unbehagen hatte offenbar nicht nur uns ergriffen… ” so begann anno 2000 eine Einleitung im Magazin brandeins, das dem Cluetrain Manifest sein Cover und ein viele Seiten umfassendes Schwerpunktthema widmete. Heute noch zu finden, das Cover des Jahres und die Titelgeschichte: Eine leise Einladung.
Die Rede war damals von der Neuen Wirtschaft und man fragte sich, wie wir künftig leben und arbeiten werden. Was hat die Wirtschaft gelernt? Was haben wir alle gelernt? Jeder Einzelne von uns? Eines möglicherweise schon: Einem Appell nachzugeben – an eine neue, andere, umfassendere Mediennutzung des Internet. Wiewohl es danach bis zum “User Generated Content” noch ein paar Jährchen gedauert hat. “Und es (das Internet) gehört dem, der es nutzt”, hieß es damals vor neun Jahren. Wer davon Gebrauch gemacht hat, hat wohl – auf welcher Ebene auch immer – profitiert.
“Cluetrain hätte untergehen können”, heißt es in der Titelgeschichte – “ein Manifest unter Tausenden, eine Webseite unter Millionen. Aber es breitet sich aus”.
Szenenwechsel. Wir schreiben das Jahr 2009.
Es liegt in der Luft. Immer mehr Gespräche in den vergangenen Wochen mündeten in grundsätzlichen Fragen. Immer mehr E-Mails weisen auf grundsätzliche Debatten hin. Das Unbehagen hat offenbar nicht nur uns ergriffen. Das Zukunftsweb ist längst da. Und eines wird wohl heute nicht mehr so gut funktionieren wie damals, als ein paar Pioniere Vieles von dem voraussagten, was heute eingetreten ist. “Manager in Konzernen und Politiker ließen sich (anno 2000) durch ihre Pressesprecher mit Zeitmangel entschuldigen”. Das funktioniert nicht mehr. Die Zukunft hat uns eingeholt. Noch ist Zeit, das Zukunftsweb mitzugestalten.
Die Welt verändert sich. Cluetrain ist ein leises Angebot, so die Titelgeschichte. „Es ist ein Angebot von Menschen in der Wirtschaft für die Wirtschaft, weil man irgendwo anfangen muss, und die Wirtschaft ist einfacher als vieles sonst im wirklichen Leben…
…Der Brüller verliert, wenn er nicht jeden Tag siegt. Aber in komplexen Strukturen gibt es keine Sieger und Verlierer, nur noch komplexe Strukturen. Und die sind gut für alle. Oder nicht. Und jetzt?” fragt die Titelgeschichte anno 2000. Vielleicht finden wir jetzt ein paar neue Antworten. Wir freuen uns darauf.
