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Petition könnte Deutschen Wissenschaftsbetrieb verändern

Wir haben gelernt, dass der Wissensraum Internet nach eigenen Regeln funktioniert. Wir haben dabei erfahren, dass nicht nur durch redaktionelle bzw. editoriale Tätigkeit Wissen aufbereitet und zugänglich gemacht werden kann, sondern das gesichertes Wissen auch von Communities (Wikipedia) erarbeitet werden kann. Wir wissen nun, dass man – mit gebotener Sorgfalt in der Rezeption – auf die “Weißheit der Masse” setzen kann und dass Enzyklopedien und Verzeichnisse zunehmend obsolt werden. Doch wenn es um zeitgenössische Wissensquellen geht -  um Dinge und Erkenntnisse die erst erforscht, entdeckt oder erfunden worden sind – klaffen weisse Lücken im globalen Gedächnis. Grundlagenforschung und Wissenschaft publizieren zumeist weiterhin in kostenpflichtigen und schwer zu bekommenden Fachjournalen und Fachpublikatonen, für eine begrenztes Publikum des jeweilgen Fachgebietes.

petitionDer freie, kostenlose Zugang zu wissenschaftlichen Primärmaterial über das Web ist noch immer die Ausnahme. Bereits 2003 forderten Wissenschafter in der Berliner Erklärung über offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen eine Änderung der Publizierungspraxis. Besonders in jenen Bereichen, in denen Forschung mit Hilfe staatlicher Finanzierung stattfindet, soll die unmittelbare, kostenlose Zugänglichkeit von Primärtexten Standard werden.  Eine offene Publikationspraxis verändert den Wissenschafts- und Forschungsbetrieb grundsätzlich: Eine kollaborative Forschungspraxis innerhalb eines gemeinsamen offenen Wissensraums ist damit denkbar -und damit der Anschluß des Wissenschaftlichen Betriebes an die neuen kulturellen Gegenheiten des zeitgenössischen Internet.
In diese Richtung geht die Initative von Lars Fischers Petition an den Deutschen Bundestag. In der Petition Wissenschaft und Forschung – Kostenloser Erwerb wissenschaftlicher Publikationen wird demnach auch gefordert, dass
wissenschaftliche Publikationen, die aus öffentlich geförderter Forschung hervorgehen, allen Bürgern kostenfrei zugänglich sein müssen. [...] Die öffentliche Hand fördert Forschung und Entwicklung nach Angaben des Bundesministeriums für Bildung und Forschung jährlich mit etwa 12 Milliarden Euro. Die Ergebnisse dieser Forschung jedoch werden überwiegend in kostenpflichtigen Zeitschriften publiziert. Es ist nicht angemessen, dass der Steuerzahler für die von ihm finanzierten Forschungsergebnisse erneut bezahlen muss. Wegen der hohen Kosten und der Vielzahl wissenschaftlicher Zeitschriften sind Forschungsergebnisse nur in wenigen Bibliotheken einsehbar. Den meisten Bürgern ist der Zugang zu der von ihnen finanzierten Wissenschaft dadurch nicht nur erschwert, sondern de facto ganz verschlossen. [Daher gilt für] Institutionen, die staatliche Forschungsgelder autonom verwalten, [die Aufforderung des Bundesrates], entsprechende Vorschriften zu erlassen und die technischen Voraussetzungen [zur kostenfrei Zugänglichkeit] zu schaffen.
Die im November gestartete Unterschriftenkampagne  hat bereits 8500 Mitunterzeichner/innen gefunden. Wenn bis zum 22. Dezember die kritische Masse von 50.000 Mitzeichnern erreicht wird, muss sich der Petitionsausschuss im Deutschen Bundestag mit dem Thema auseinandersetzen.


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