Chancen & Risiken für Unternehmen & AnwenderInnen
Loading Quotes...

Frage des Jahres: Wie verändert uns das Internet?

Wie aktuell das Zukunftsweb-Projekt der Semantic Web Company ist und auf wie vielen Ebenen es Relevanz hat, zeigt sich unter anderem in der medialen Rezeption des Themas. Ein Beispiel ist etwa der umfangreiche Themenschwerpunkt „Digitales Denken“ in einem Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung FAZ.NET. Untertitel „Wie verändert uns das Internet?

(cc) by Stian EikelandDiskussionen über die Auswirkungen des Netzes auf unseren Alltag und unser Denken sind oft ideologisch überfrachtet, heißt es dort. Kunsthistoriker, Schriftsteller und andere Kreative kommen zu Wort und die Antworten sind so vielfältig wie beachtenswert. Die renommierte Edge Foundation wirft regelmäßig Fragen zu intellektuellen, philosophischen und künstlerischen Kernthemen auf, um eine Diskussion zu entfachen. So veröffentlichte der amerikanische Literaturagent John Brockman Anfang Jänner die Frage des Jahres 2010: Wie verändern Internet und vernetzte Computer die Art, wie wir denken? Im Kern der Diskussion steckt die Frage des Wissenschaftshistorikers George Dyson: „Sind der Preis für Maschinen, die denken, Menschen, die es nicht mehr tun?“ Brockman, der einige der wichtigsten Wissenschaftler der Gegenwart zu seinen Autoren zählt, umkreist diese Vision auf Edge.org mit hunderteinundzwanzig Antworten. „Wir drucken die interessantesten in diesem Feuilleton“, so Frank Schirrmacher, Autor und Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. „Anders als in Deutschland, wo die Debatte über das Informationszeitalter noch immer ein von Interessen geprägtes Palaver über Medien ist, zielt die Edge-Debatte in die Tiefe“.

Internet als „Dynamik der Meute“

Recht kritisch geht Jaron Lanier an die Thematik heran. Der Internet-Pionier der ersten Stunde hat etwa den Begriff „virtuelle Realität“ geprägt, den ersten Avatar erfunden und spricht heute vom digitalen Mob und vom Ende des digitalen Maoismus – etwa in einem Gespräch mit FAZ.NET. In Facebook ist nicht etwa er persönlich, sondern seine Katze zu finden, damit er zwar seine Erfahrungen machen, aber dennoch anonym bleiben kann.

Jaron Lanier: you are not a gadgetNoch etwas weiter geht Lanier in einem aktuellen Spiegel-Interview, wo er das Gemetzel thematisiert, das im Netz als Musterverhalten hergenommen werden kann: ein Thema, das wohl eine weit tiefer gehende Auseinandersetzung verdient, und zu dem so mancher Internetbenutzer eigene Geschichten zu erzählen weiß – auch ich aus meiner jüngsten Alltagsarbeit: Als mir etwa irrtümlich ein Email aus dem BCC-Modus in den CC-Modus verrutschte und ich daraufhin blitzschnell einige höchst erstaunliche Reaktionen – provozierte, jeweils mit gesamter Verteiler-Adresse – die wohl bei einem BCC-Email niemals ans Licht gekommen wären. Und wie viel Zeit da plötzlich darauf verwendet wurde, um sich „ins rechte Licht“ zu setzen.
„Das ist keine Ausnahme, sondern ein typisches Muster im Netz“, so Lanier – er erwähnt dabei eines der vielen „teuflischen Gemetzel“ wie man sie aus Online-Foren kennt. Und „… die Dynamik der Internet-Meute bedingt, dass man am Ende mitmachen muss, um nicht selbst Opfer zu werden“.

Das Netz vergisst nichts

Das Netz lässt nur Konformismus zu, so Lanier. „Es belohnt Leute, die in soziale Normen passen. Wer sich außerhalb der Norm bewegt, kann schnell zum Opfer werden. Wir haben inzwischen ein riesiges Problem mit Cyber-Mobbing“. Mehr dazu in seinem jüngst erschienenen Buch „You are not a Gadget -A Manifesto“, wo er nun die Schattenseiten des Netzes kritisiert.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass es das Netz nicht erlaubt, sich selbst neu zu erfinden. Es vergisst nichts. Das kann schlecht sein, aber auch spannend – je nachdem, wie man mit Informationen und dem Netz umgeht. Viele dieser Prognosen haben Netzpioniere, die sich etwa schon in den Achtzigern mit neuen Medientechnologien beschäftigt haben, schon vorhergesagt. Manche Visionen von damals beginnen nun langsam zu greifen (Siehe auch Die Protagonisten des Zukunftsweb oder Es lag in der Luft…). Gerade dieser Aspekt gebietet es, Verantwortung zu übernehmen. Im Netz und für das Netz, heute und (für) morgen. Denn das Internet zu verteufeln wäre ebenso  reduktionistisch und simpel wie unrealistisch.

PROGRAMMTIPP

Donnerstag, den 4. Februar 2010, um 21 Uhr
Die Sendung scobel auf 3sat
: Die Welt ist flach: Chancen und Risiken der digitalen Veränderung

THEMENSCHWERPUNKT IM 3SAT … Leben im Netz … Wie das Internet unsere Welt verändert
3-Sat: “Nicht nur wirtschaftlich hat sich der Alltag durch das World Wide Web dramatisch verändert. Es gibt kaum Modelle, wie durch eine geeignete Ordnungskompetenz die Flut von Information sinnvoll genutzt werden kann. Stattdessen führt die Überflutung, ebenso wie die Doppel- und Dreifachbelastung in der Kommunikation durch E-Mails, Twitter oder andere Web 2.0 basierte Dauerkommikationstechnologien zu einem bislang wenig erforschten digitalen Stress”. Zu Gast bei Gert Scobel sind diesmal Constanze Kurz vom Chaos Computer Club, Gisela Schmalz von der Rheinischen Fachhochschule Köln und Frank Schirrmacher von der FAZ.  Weitere Informationen finden Sie unter http://www.3sat.de/scobel/140847/index.html.

2 Kommentare
Hinterlasse einen Kommentar »

  1. Sind die Trends noch überschaubar?
    Ein neuer Trend nennt sich Outernet. “Im Outernet werden z.B. Produkte zu Hyperlinks und somit auch zu Absatzkanälen. Die reale Welt ist dann eine einzige Shopping-Mall. Das Outernet lässt zudem neue Erlösmodelle entstehen, da die Integration von Kontextfaktoren wie der Aufenthaltsort oder die Zeit neue Produkte und Services ermöglichen. Für die Werbung bedeutet das Outernet, dass sie sich in Zukunft vermehrt als eine personalisierte Serviceleistung für den Konsumenten und als Lieferant von Augmented Reality-Inhalten begreifen muss.” Mehr hier http://blog.trendone.de/tag/outernet/

Schreibe einen Kommentar